Performing the Museum as a public sphere
Performing the Museum as a public sphere
Kunstvermittlung als Widerstreit.
Konferenz am Kunstmuseum Lentos 18.-19. April 2008
Das Kunstmuseum Lentos wird im Mai 2008 fünf Jahre alt. Zu diesem Anlass soll im Lentos eine Konferenz stattfinden, die ein Nachdenken über ein zeitgemäßes Verständnis der Institution Museum als Ort der Kunstvermittlung ermöglicht. Dabei wird von der These ausgegangen, dass qualitätsvolle Kunstvermittlung von moderner Kunst und von Gegenwartskunst die einstimmige Weitergabe von autorisiertem Wissen in eine Vielstimmigkeit aufsplittet. Jegliche Definitionsmacht vervielfacht sich in mannigfaltigen Handlungen und Diskursen. An dieser Stelle wird das Publikum aktiv bei der Herstellung des Museums.
'Performing the Museum' meint in diesem Sinne, dass alle Beteiligten eines Museums (von der Direktorin bis zum Publikum) dieses in jeder Situation durch ihr Handeln und Sprechen - performativ - erst erstellen und erfinden. Kunstvermittlung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Das Museum als einen Ort des 'Widerstreites' zu verstehen heißt, die Vielstimmigkeit aller Beteiligten nicht in eine dialektische Bewegung bzw. in eine Eindeutigkeit münden zu lassen, sondern sie als Manifestation von Differenz zu kultivieren. Denkt man die Begriffe der Performativität und des Widerstreits in Bezug auf Kunstvermittlung zusammen, so impliziert dies, dass sich institutionelle Settings nicht nur analysieren und kritisieren, sondern auch durch das eigene Handeln verschieben lassen.
Kunstvermittlung als Widerstreit
Seit Ende der 1990er Jahre wird die Diskussion über eine zeitgemäße, kritisch agierende Praxis der Museumspädagogik und Kunstvermittlung verstärkt geführt. "Zeitgemäß" meint dabei: unter kritischer Reflexion der historischen und gegenwärtigen Diskurse um Kunst, Kunstvermittlung, Öffentlichkeit, Partizipation und Bildung. Die aus dieser Debatte erwachsenden - unbedingt interdependent zu verstehenden - Kriterien könnten lauten:
- Lösung der Kunstvermittlung aus "der untergeordnet - schicksalhaften Abhängigkeit" von der jeweiligen Institution und Sicherung ihres "eigenständig-kritischen Orts".
- Aktive Auseinandersetzung mit den Wahrnehmungs- und Interaktionsweisen der BesucherInnen.
- Konstitutiver Einbezug des diversen kontextuellen Wissen der BesucherInnen
- Kritische Vermittlung von bereitgestelltem autorisierten Wissens
- Reflexion und Transparenz der Funktionsweisen der Institution
- Partizipation im Sinne einer Beteiligung an der Arbeit der Repräsentation.
- Interdisziplinäre Zugangsweisen bei allen diesen Aspekten.
Damit korrespondierend und ergänzend sind folgende Thesen zu lesen
"Kunstvermittlung als Widerstreit ist ...
- Wenn sie gegen existierende und unhinterfragte Machtmechanismen arbeitet
- Wenn sie dazu verhilft, mehr zu sehen, wie die Dinge gebaut und gestrickt sind
- Wenn sie sämtliche Beteiligten als "relative Subjekte" begreift
- Wenn sie nicht die großen Emanzipations-Erzählungen fortsetzt, sondern sich als Teil der Struktur begreift, der sich selbst immer wieder befragen muss und überprüfen muss, ob nicht in den blinden Flecken sich wieder neue hegemoniale Formen breit machen."
Wie all dies möglich wird, soll auf der Tagung mit Künstler-Kunstvermittler-MuseumsarbeiterInnen aus dem europäischen Raum (England, Spanien, Belgien, Deutschland, Österreich) beispielhaft diskutiert werden. Zudem werden die MitarbeiterInnen der Vermittlungsabteilung des Kunstmuseum Lentos mit einer Intervention zu der Tagung beitragen.
© Carmen Mörsch und Eva Sturm 2007
Dieses Projekt findet im Rahmen des Projekts transform.eipcp.net mit Unterstützung von EU-Kultur 2000 statt.
Die Kommission zeigt sich für Inhalte nicht verantwortlich.
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