Irene Andessner: Citylights [Schöne Linzerin]
Irene Andessner präsentiert am 6. Oktober 2009 um 18 Uhr ihr Ausstellungsprojekt Citylights [Schöne Linzerin].
111 Plakatleuchtkästen im Linzer Stadtraum werden bis 14. November 2009 mit Andessners Rollenporträt bestückt.
Irene Andessner schlüpft in die Rolle der "Schönen Linzerin" - als ikonografische Neuinterpretation von zwei historischen Darstellungen aus 1810 (Kupferstich von J. Waldherr) und 1910 (Fotografie von August Sander) vor einem zeitgenössischen Hintergrund, der leuchtenden Fassade des Lentos.
Die Fotoproduktion erfolgte im Lentos am 6. August 2009 mit der einzigen in Europa verfügbaren 20 x 24 Inch (50 x 60 cm) Polaroid-Kamera und dem letzten noch erhältlichen Polaroid-Filmmaterial. Die Citylight-Plakatauflage entspricht einer Kunstedition von identischen Motiven mit 111 verschiedenen Bildtiteln, die jeweils auf den Namen einer heute in Linz lebenden Frau lauten.
Präsentation: 6. Oktober 2009, 18 Uhr im Lentos
Einführende Worte: Stella Rollig
Eröffnung: Dr. Erich Watzl
Schirmherrin: Monika Dobusch
Das Thema: Die Schöne Linzerin
Die (männliche) Vorstellung von der Schönheit der Linzerinnen ist seit dem 16. Jahrhundert schriftlich belegt. Im späten 18. Jh. und hinein ins 19. Jh. zieht sich eine Kette von Anspielungen und Bemerkungen dieser Zuschreibung insbesondere durch reisende Schriftsteller aus Deutschland - oft in Verbindung mit der oberösterreichischen Trachtenhaube. Das Prädikat der "schönen Linzerin" geht auf keine bestimmte Frau der Geschichte zurück.
Es wird als signifikante, auf Linz (teils auch Oberösterreich) zutreffende Gegebenheit postuliert und verallgemeinernd kommuniziert und dichterisch und bildnerisch bearbeitet. Das markante Accessoire der "Schönen Linzerin(nen)" ist die Goldhaube - ein Trachtendetail aus der Zeit zwischen Directoire, Empire und Biedermeier (datierbar von 1782 bis 1850) als Erkennungsmerkmal im Sinne eines frühen, auch in anderen Orten kultivierten (Die Schöne Münchnerin / Ulmerin / Römerin usw.) Städte-Marketings zur Tourismuswerbung, festgemacht meist an einer bestimmten Darstellung, die über Jahrhunderte präsentiert und nach dem Zeitgeschmack variiert wird.
Irene Andessner ist gebürtige Salzburgerin mit oberösterreichischen Wurzeln der Eltern. Die in Wien lebende Künstlerin studierte an den Akademien der Bildenden Künste Venedig (Emilio Vedova) und Wien (Max Weiler, Arnulf Rainer). Ihr Hauptthema ist seit 1988 das Selbstporträt, das sie ursprünglich in Form von Malerei und ab Mitte der 90er Jahre in Tableaux vivants, Foto- und Videoinszenierungen umsetzt.
"Das Gesicht ist nur zufällig meines" sagt Irene Andessner 1992. In den Augen von Peter Sloterdijk markieren ihre Porträts als "Detraits" die Auflösung und damit die Austauschbarkeit der bildnerischen Darstellung von Persönlichkeit (in: Sphären I, 1998). Danach tritt die Selbstinszenierung mit Rollenspiel an die Stelle des gemalten Selbstporträts. "Nachbilder" von kunst- und zeitgeschichtlichen Vorbildern wie Sofonisba Anguissola oder Frida Kahlo entstehen, auch heilige (Schwarze Madonna) und fiktive (Rachel aus Bladerunner) Personen sowie moderne Mythen (Marlene Dietrich). Im Projekt I.M.Dietrich geht die Rollenidentifikation bis zur Annahme des Familiennamens des Vorbildes durch eine reale Heirat (die nach dem Kunstprojekt anuliert wurde). Als "Wanda" (re)produziert sie das Idealbild, das Leopold von Sacher-Masoch von der Frau hatte. 2006 interpretiert sie die überlieferten, in ihrer Authentizität fragwürdigen Mozart-Porträts (I.A. Mozart(?)). Den "Saal der berühmten Männer" im Cafe Florian (Venedig) verwandelt sie in einen "Salon der illustren Frauen", den Paternoster im Haus der Industrie (Wien) in einen "Maternoster" (mater nostra).
Die Aktion Citylights [Schöne Linzerin] ist Teil der Werkgruppe Citylights (Citylights [Wiener Frauen] 2008; Citylights [Salzburger Frauen] 2009).
