Zum Inhalt springen


Helene Taussig: Korpulenter weiblicher Akt Rudolf Hausner: Die Arche des Odysseus Anton Kolig: Männlicher Akt stehend hans Makart: Frauenakt
Egon Schiele: Selbstakt Günter Brus: Wiener Spaziergang Hermann Nitsch: Schüttbild Hans Makart: Die Japanerin
 

Störenfriede - Der Schrecken der Avantgarde von Makart bis Nitsch

1.2. - 18.5.2008

Mit der Ausstellung Störenfriede - Der Schrecken der Avantgarde von Makart bis Nitsch zeigt das Lentos Kunstmuseum eine museale Schau, die exemplarisch berühmt-berüchtigte Störenfriede der österreichischen Kunstgeschichte vom Fin de Siècle bis zum Aktionismus vorstellt.

"Der Mensch stellt sich dem heiligen geiste, dem sanctus spiritus, dem schaffenden geiste, dem creator spiritus, feindlich entgegen. Er wünscht ruhe. Glücklich lebt er in der gesicherten position, die ihm die großen der vorzeit bereitet haben. Daß er weiter soll, dass er seinen endlich erreichten, gesicherten platz verlassen soll, bereitet ihm unbehagen, und daher haßt er den künstlermenschen, der ihm die liebgewonnenen anschauungen durch neue verdrängen will."

Adolf Loos formulierte um 1900, womit eine Gesellschaft seit jeher angesichts neuer Kunstrichtungen konfrontiert wurde. Die Avantgarde "die als Kundschafter in unbekanntes Gebiet vorstößt, die sich den Risiken plötzlich schockierender Begegnungen aussetzt, die eine noch nicht besetzte Zukunft erobert" so Jürgen Habermas, zwingt den Betrachter, gewohnte Sehweisen aufzugeben und sich auf Neues, Unbekanntes einzulassen. Makart, Romako, Klimt, Schiele, Kokoschka, die Künstler des Hagenbundes, der Art Club, die Wiener Aktionisten, sie alle provozierten und störten. Als Störenfriede riefen sie Reaktionen von unterschiedlichster Heftigkeit hervor: Der Bogen der Kontroversen spannte sich von Pressehetze über Rücktritte von Politikern und Zerstörung von Kunstwerken bis zur Verhaftung von Künstlern.
Viele Künstler, die heute als Aushängeschilder österreichischen Kultur- und Kunstschaffens dienen, mussten diesen Prozess der radikalen Ablehnung und öffentlichen Schmähung durchlaufen. Abhängig von den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Umständen erreichten manche noch zu Lebzeiten gesellschaftliche Akzeptanz, ja sogar Verehrung. Einigen aber blieb diese Gunst verwehrt, sie starben unverstanden und verarmt, und ihre Leistung wurde erst Generationen später erkannt. Nicht selten waren es die neuen Provokateure, die die alten entdeckten, so etwa Oskar Kokoschka, der in Anton Romako eine Inspirationsquelle fand und sich auch um seine Rehabilitierung bemühte.
Während Hans Makart das Publikum mit seiner farbdurchglühten, sinnlichen Malerei heftig provozierte, führte rund 30 Jahre später, um 1900, die erbitterte öffentliche Diskussion über Gustav Klimts Deckenbilder für die Universität zum Rücktritt des Unterrichtsministers. Die expressiven Arbeiten des "Seelen-Höllen-Breughels" Egon Schiele verunsicherten und überforderten Publikum und Kunstkritik ebenso wie jene des "Explosionisten" Oskar Kokoschka. In den 1920er Jahren erregten die im Hagenbund gezeigten "Eierspeisbilder" die Gemüter, und die "mit der Spachtel maurermäßig derb hingestrichenen Bilder" der Malerinnen Helene Funke und Helene Taussig waren den Kunstkritikern schlichtweg "ein Greul".
Nach der doktrinären Kunstpropaganda des Nationalsozialismus wurde das irritierende Neue, das der Art Club in seiner ersten Ausstellung 1946 zeigte, empört als "Sumpf von Perversitäten" zurückgewiesen.
Ende der 1950er Jahre war das Publikum schließlich mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, den Wiener Aktionisten. Ihre "Stoffwechselparty" 1968 in der Universität Wien führte zur Kriminalisierung und Verhaftung der Akteure.

Die Ausstellung präsentiert die großen österreichischen Klassiker, die diesen Prozess der radikalen Ablehnung und öffentlichen Schmähung durchlaufen mussten, mit rund 100 Hauptwerken von 1900 bis 1968, darunter zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus österreichischen Museen, Galerien und Privatsammlungen. Das "Anstößige" der neuen Stilrichtungen - vertreten durch Makart, Romako, Klimt, Schiele, Kokoschka, Funke, Taussig, Kolig, Hausner, Lassnig, Rainer, Nitsch, Brus u.v.a. - wird an Hand von zeitgenössischen Reaktionen und neben Beispielen mit etablierter Kunst der Zeit gezeigt.

Eröffnung der Ausstellung:
Donnerstag, 31. Jänner 2008, 19 Uhr

Kuratorenführungen mit Dr.in Sabine Fellner:
Sonntag, 2. März 2008, 15 Uhr
Donnerstag, 17. April, 19 Uhr



Diese Ausstellung findet im Rahmen des Projekts transform.eipcp.net mit Unterstützung von EU-Kultur 2000 statt.
Die Kommission zeigt sich für Inhalte nicht verantwortlich.



 


 

Drucken

LENTOS KUNSTMUSEUM LINZ
Ernst-Koref-Promenade 1,
A-4020 Linz
T +43 (0)/70/7070/3600 bzw. 3614
F +43 (0)/70/7070/3604
info@lentos.at

Öffnungszeiten:
Dienstag-Sonntag 10-18 Uhr
Donnerstag 10-21 Uhr
Montag geschlossen (außer an Feiertagen)

24./25. Dezember und 1. Jänner: geschlossen
31. Dezember: 10-16 Uhr