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André Kertész: Bei Mondrian

Paris, 1926, Gelatinesilberabzug, 35,3 x 28 cm, Inv. Nr. 4929, erworben März 1988
André Kertész, geb. 1894 in Budapest, gest. 1985 in New York

Gleich vielen seiner Landsleute, die die antiintellektuellen, antisemitischen Tendenzen des Horky-Regimes nicht mitmachen wollten, emigrierte der 1894 in Budapest geborene André Kertész 1925 nach Paris. Flair und Leben dieser damals führenden Kunstmetropole begünstigten seine einfühlsame, subjektive Art, die Dinge zu sehen. Die Pariser Jahre (1925 bis 1936) zeigen Kertész auf dem bald erreichten Höhepunkt seiner Künstlerschaft. Kertész photographiert Architekturen und Stadtlandschaften, Interieurs, genau beobachtete und den Wechselwirkungen von Licht und Schatten ausgesetzte technische Details, Maschinen, Genre-Szenen, Akte und Porträts. Der letztgenannten Gruppe galt seine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Kertész machte 1928 die überzeugende Aufnahme des auf dem Boden sitzenden Regisseurs Sergej M. Eisenstein (Panzerkreuzer Potemkin), 1930 das berühmte Bild der Colette mit Blumenvase, 1933 das - in leichter Draufsicht - von oben aufgenommene Photo Marc Chagalls mit seiner Familie. Es gelang Kertész immer wieder größte Ungezwungenheit, Natürlichkeit und Atmosphäre mit genauer formaler Gewichtung zu verbinden. Die oft publizierte Aufnahme "Satirische Tänzerin", aus 1926 ist ein Paradebeispiel für jene wohlausgewogene, ungewohnten Perspektiven und Manipulationen gegenüber offene Synthese der zwanziger Jahre, in der man ebenso auf Aspekte der frühen Modephotographie wie des traditioneller orientierten Stillebens (Im Atelier von Mondrian, 1926) stößt. Was Kertész auszeichnet ist sein Einfühlungsvermögen in bestimmte Milieus und der hohe formale Anspruch, der seinen Bildern in einer Epoche, die den künstlerischen Rang der Photographie auf breiter Front entdeckt, zugrunde liegt.

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