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Provenienzforschung in den Museen der Stadt Linz

Die Stadt Linz ist seit Jahrzehnten wie kaum eine andere Gebietskörperschaft in Österreich bestrebt, die Zeit des Nationalsozialismus kritisch offen zu legen. Dazu wurden zahlreiche Initiativen wie Forschungsprojekte, Publikationen oder Ausstellungen gesetzt. Was die Sammlungen ihrer Museen betrifft, ist die Stadt ebenso entschlossen, diese nach dem Vorbild der österreichischen Bundesmuseen, die seit Verabschiedung des 1998 beschlossenen Kunstrückgabegesetzes ihre Bestände auf "NS-Raubkunst" überprüfen, systematisch und lückenlos auf seine Herkunft hin zu untersuchen.

Die Sammlung des LENTOS bzw. zuvor der Neuen Galerie der Stadt Linz wird seit 1998 systematisch überprüft. 1999 veröffentlichte die Stadt Linz einen ersten umfassenden Bericht über die Sammlung Gurlitt, den historischen Grundstock des Museumsbestands, erarbeitet von Dr. Walter Schuster, dem Leiter des Stadtarchivs.

Zur Intensivierung der Forschungsarbeiten wurde im Jahr 2007 im Auftrag des Bürgermeisters und des Magistratsdirektors ein eigener Arbeitskreis für Provenienzforschung eingerichtet und die für Museen und öffentliche Institutionen tätige Provenienzforscherin Dr.in Vanessa-Maria Voigt (Deutschland) beigezogen. Der Arbeitskreis wird von Direktorin Stella Rollig geleitet und widmet sich neben aktuellen Provenienzanfragen vor allem der systematischen Herkunftsklärung von Erwerbungen der Stadt Linz aus der Sammlung Gurlitt.


Verständnis und Recherchemethoden (PDF, 52 KB)

Wer war Wolfgang Gurlitt?

Elisabeth Nowak-Thaller, Vize-Direktorin und Sammlungsleiterin des LENTOS, erzählt im Interview über die ambivalente Person Wolfgag Gurlitt, den Gründungsdirektor der Neuen Galerie der Stadt Linz. 

Bearbeitete Werke und erfolgte Restitutionen

Auf Basis der erfolgten Recherchen sowie weiterer Gutachten wurden – jeweils nach entsprechenden Beschlüssen des Linzer Gemeinderats – folgende Kunstwerke restituiert:

  • 1999: Lesser Ury, Die Näherin (Inv. Nr. 138) 
    an die Erben nach einem Berliner Kunstsammler

  • 2003: Egon Schiele, Stadt am Fluss (Inv. Nr. 13) 
    an die Erben nach Daisy Hellmann

  • 2009: Gustav Klimt, Damenbildnis (Inv. Nr. 149) 
    an die Erben nach Aranka Munk

  • 2011: Wilhelm Trübner, Bildnis Carl Schuch (Inv. Nr. 104) 
    Einvernehmliche Ablöse der Erben nach Harry Fuld Jr.
    (Im Rahmen einer gütlichen Vereinbarung vom 12.9.2011 löste die Stadt Linz den Restitutionsanspruch ab.)


Im Juli 2012 wurden in Bezug auf Ergebnisse der Provenienzforschung sechs Gemälde von Anton Romako an die Rechtsnachfolgerin nach Oskar und Malvine Reichel restituiert:

  • Mädchen mit aufgestütztem Arm (Tochter des Künstlers), 1875, Inv. Nr. 10
  • Der Zweikampf (Kämpfende Ritter), Inv. Nr. 81
  • Zigeunerlager, 1879 (?), Inv. Nr. 83
  • Mädchen mit Früchten, um 1875, Inv. Nr. 103
  • Ungarische Puszta (Strohschober in Bálványos), um 1880, Inv. Nr. 104
  • Bildnis Karl Schwach, 1854, Inv. Nr. 145

Dank des großzügigen Entgegenkommens der Eigentümerin bleiben die betreffenden Werke gesamt als Dauerleihgaben im LENTOS und können der Öffentlichkeit weiterhin präsentiert werden.
 

  • 2015: Lovis Corinth, Othello (Der Mohr), 1894, (Inv. Nr. 23) und Lovis Corinth, Schwabing (Blick aus dem Atelierfenster), 1891, (Inv. Nr. 24)
    an die Erben nach Jean und Ida Baer
  • 2015: Emil Nolde, Maiwiese (Maienwiese), 1915, (Inv. Nr. 94) an die Erben nach Dr. Siegfried Julius
     

Das LENTOS ist bemüht, die Provenienz seines Bestands möglichst umfassend aufzuklären und ist für alle Hinweise, insbesondere von WissenschaftlerInnen, die in diesem Bereich arbeiten, dankbar. Wenn Sie Anfragen zu einzelnen Objekten haben oder ergänzende Informationen beitragen können, senden Sie diese bitte an:

LENTOS Kunstmuseum Linz
Provenienzforschung
Ernst-Koref-Promenade 1
4020 Linz

oder provenienzforschung@lentos.at

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Foto: © maschekS.