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Foto: Raumansicht

sometimes lovers, sometimes friends

Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung des Lentos
Diese Präsentation versammelt zeitgenössische Werke aus der Sammlung des Lentos. Bis auf zwei Ausnahmen - eine Zeichnung von Raymond Pettibon sowie eine Fotografie von Bernhard Prinz aus den 1990er Jahren - sind sie am Beginn dieses neuen Jahrhunderts entstanden und spiegeln damit Reaktionen auf die unmittelbare Gegenwart mit künstlerischen Mitteln wider.
Die Auswahl verdeutlicht einige Trends, die sich in der aktuellen Kunstproduktion abzeichnen. Da ist zum einen die Freude am Narrativen, am Geschichten Erzählen, die in Zusammenhang steht mit dem Interesse von Künstlerinnen und Künstlern am Medium Kinofilm und an Pop. Schlaglichtartig wie dreiminütige Popsongs schildern diese Bilder Momente, Situationen und Schauplätze, die das Kontinuum einer Geschichte, ein Davor und Danach suggerieren, das die Fantasie zu ergänzen herausgefordert ist. Alltagsnahe Darstellungsweisen, Formensprachen der Populärkultur treten auf den Plan: Pettibon, Andreas Leikauf und Martin Schnur zitieren Comic Strips und Illustrationen, Gerhard Trumler einen möglichen Schauplatz eines Film Noir.
Monika Oechsler arbeitet mit den perfektionierten Mitteln der heutigen Laufbild-Industrie, um in ihren verknappten Video-Storys psychologische Schlüsselmomente zu vermitteln. Dietmar Brehm geht vom Material aus, von einzelnen Filmkadern, die er isoliert und mittels Größe und Kombination eindringlich überhöht. Doris Krüger demonstriert, wie Auge und Gehirn sich von einer computer-generierten Darstellung eines Urwalds - die aus fotografierten Pflanzenteilen "gebaut" ist - so bereitwillig täuschen lassen, dass filmkundige Betrachterinnen und Betrachter die Helikopter aus Apokalypse Now über die Wipfel heran knattern zu hören meinen. Eine andere Methode, um die Authentizität einer Abbildung zu befragen, wählt Herwig Kempinger, der bei der Herstellung seiner Fotografien auf digitale Unterstützung verzichtet. Seine Großformate sind weder konkret noch abstrakt, sind nicht "lesbar" und evozieren dennoch Begriffe realer Räume ("Himmel", "Schnee", "die Weiten des Universums", ...).
Zweifel an ihrem Status erwecken die Objekte von Uli Aigner. Sind es Möbel, sind es Skulpturen? Antwort: beides; wie man es sieht, wie man es möchte. sometimes lovers, sometimes friends, je nach Bedürfnis.
In die Malerei ist ein Interesse an der menschlichen Figur zurück gekehrt. Während in diesem Medium, wie bei Soós Tamás, bewusst eine Nähe zum Kitsch und einer verallgemeinernden Stimmung riskiert wird - eine starke gegenwärtige Strömung in der Malerei ist die "Neue Romantik" - setzen Bernhard Prinz und Kaucyila Brooke mit ihren Fotografien auf porträthafte Inszenierungen mit Lust am Rollenspiel.
Allen digitalen Simulationsmöglichkeiten, aller Paintbox-Software zum Trotz besetzt das Medium der Handzeichnung gegenwärtig eine favorisierte Stellung in der Kunst. Das Blatt von David Ebmer zeigt eine betende Frau in der Blüte ihres Mantels, thronend auf einem dornigen Rosenstiel. Maria Bussmann ist eine Zeichnerin, deren sehr persönliche, verrätselte Blätter den Begriff der Introspektion, der Innenschau, aufrufen. Vor ihnen meint man - trotz allem Misstrauen gegen die Überschätzung  individueller "Kreativität" - Residuen unverwechselbarer Subjektivität als ein spezifisches Potenzial von Kunst (und von Lebendigsein) auszumachen.

sometimes lovers, sometimes friends:
Es gibt keine endgültigen Wahrheiten, keine dauerhaften Identitäten, keine manichäischen Welterklärungen, kein So-ist-es-und-nicht-anders. Die Welt und die Lebenssituationen jeder und jedes Einzelnen sind nicht in Schwarz-Weiss zu erfassen, es gibt fließende Übergänge zwischen diesem und anderem. Du und Ich können dieses sein oder jenes, und das nur heute.
Diese Präsentation lädt dazu ein, Erwartungen an Kunst als Erklärung und Anleitung zu suspendieren und sich im Übrigen im Vorübergehenden (un)wohnlich einzurichten. Christof Kurzmann liefert den spröden elektronischen Soundtrack dazu.


 

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Foto: © maschekS.