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Bild: Ausstellungsansicht Prinz-Raum

Aufmischen. Sammlung neu

Neue Präsentation der Sammlungsräume

AUFMISCHEN. Die Sammlung des Lentos Kunstmuseums aus der Sicht von Künstlerinnen und Künstlern

Von Dietmar Brehm, Bernhard Prinz, Lois Renner, Eva Schlegel, Lois und Franziska Weinberger


2007 markiert den 60. Jahrestag der ersten Ausstellung der Sammlung Gurlitt in Linz, aus der die Neue Galerie der Stadt Linz und schließlich das Lentos Kunstmuseum Linz werden sollte. Ein Anlass für das Lentos, eine vollkommen neue Hängung seiner Bestände des frühen 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart vorzunehmen und dabei als Museum unkonventionelle Wege der Präsentation zu beschreiten. Ab dem Spätherbst 2007 zeigt das Lentos die Fülle und Gegensätzlichkeit seiner Sammlung in fünf
überraschenden Raum-Inszenierungen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler.

Welche Werke der Kunstgeschichte erscheinen heute besonders relevant, und warum? Wie gewinnt ein Kunstwerk Aufmerksamkeit, Bedeutung, Zuneigung – in welchem Zusammenhang, und von wem?
Blicke in die Kunstgeschichte können Suchbewegungen sein. Sie können mögliche Antworten auf spezifische Fragen aufspüren, persönlichen Denkpfaden folgen, langfris-tigen Leidenschaften oder spontanen Anregungen nachgehen – und jederzeit Haken schlagen.

Ein Museum, das Kunst als Medium der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Lebenswelten und -bedingungen begreift, kann sich mit der Vermittlung von Kunstgeschichte als Bildungskanon und Faktenwissen nicht zufrieden geben. Es muss für seine BesucherInnen Anstösse schaffen, individuelle Zugänge zu Werken zu entwickeln, die unbelastet von vorgeschriebenen Wertigkeiten und Geschichtsdarstellungen sind: idiosynkratisch und selbstbestimmt.

Das Lentos hat zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler gebeten, geleitet von ihren Interessen und Leidenschaften die Bestände des Museums zu durchforsten und für jeweils einen Raum der Sammlungsgalerie eine Zusammenstellung zu entwickeln. Jeder Raum, so die einzige Vorgabe, enthält eines oder mehrere Werke des betreffenden Künstlers, der Künstlerin bzw. des Künstlerpaars aus Lentos-Besitz.

Ausgehend vom eigenen Werk spannen der in Linz beheimatete Maler und Filmemacher Dietmar Brehm, der in Hamburg lebende Fotokünstler Bernhard Prinz, sowie die intermedial arbeitenden, in Wien lebenden KünstlerInnen Lois Renner, Eva Schlegel, sowie Lois und Franziska Weinberger thematische und formale Zusammenhänge zu Werken aus den Museumsbeständen auf. Entstanden sind dichte Raumgestaltungen, in denen neben den ausgewählten Kunstwerken farbliche, textliche oder installative Elemente aussagekräftige Rollen spielen. Unorthodoxe Kombinationen regen zu frischen Sichtweisen und neuen Lesarten an: Gustav Klimt grüßt Gottfried Helnwein, Fotografien der klassischen Avantgarde begegnen Malerei der Gegenwart, eine kalifornische Zeichnung von heute korrespondiert unerwartet harmonisch mit einer aus dem Wien der Nachkriegszeit. Die kunsthistorische, kanonische Bewertung als "Meisterwerk" oder als geringer geschätzte Arbeit wird außer Kraft gesetzt, so manches lange nicht gesehene Blatt wurde im Depot aufgestöbert.
Bewusst gegenübergestellt wird dieser sehr persönlichen Werkauswahl ein Raum mit einer klassisch-chronologischen Museumspräsentation, in dem beispielhaft Landschaftsdarstellungen des 19. Jahrhunderts gehängt bleiben.

So haben die beteiligten KünstlerInnen, für deren Arbeit – diese war angesichts eines Sammlungsbestands von etwa 1600 Gemälden und Skulpturen, rund 850 fotografischen Werken und mehreren Tausend Arbeiten auf Papier nicht unbeträchtlich – wir uns sehr herzlich bedanken, nicht nur dem Publikum, sondern auch uns KunstwissenschafterIn-nen im Lentos ganz neue Perspektiven ermöglicht.

Stella Rollig
Direktorin Lentos Kunstmuseum

 

Eröffnung: Freitag, 23.11.2007, 19 Uhr

ab 18.00: Einladung zur Besichtigung der neu gestalteten Räumlichkeiten

ab 19.00: Einführung: Stella Rollig, Direktorin

Video-Statements der KünstlerInnen von xxkunstkabel

Vortrag: Prof. Dr. Rainer Metzger, Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Kunstakademie Karlsruhe, "Bewunderkammern. Über Kunst, wie sie ins Museum kommt."

Fest im Auditorium mit Musik von Electronic Candy

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