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GÜNTER BRUS:
"Leuchtstoff-Poesie und Zeichen-Chirurgie"
Bild-Dichtungen Retrospektive 1971-1999
13. April - 17. Juni 2000
Günter Brus
Leuchtstoffpoesie und Zeichenchirurgie
1998/99
Mischtechnik auf Papier




Ausstellungsausschnitt

Biographie

Exponatenliste


Günter Brus zählt zu den großen, eigenwilligen und konsequenten Zeichnern Europas. Seine oft in Zyklen festgehaltenen Gleichnisse menschlicher Existenz beruhen auf einem inquisitorischen Stil, der kraftvoll und sensibel zugleich Themen und Absichten definiert. In der Verbindung von Bild und Text entwickelt Brus ein Gedankenfeuer gegen die assoziative Trägheit angestammter Betrachtungsweisen. (Peter Baum)

Diese Retrospektive von Günter Brus ist die erste umfassende Übersicht seiner Bild-Dichtungen in Österreich.
Der Künstler wurde in den sechziger Jahren mit seinen Aktionen zum - wie er selbst sagte- "meistgehaßten Österreicher". So irritierte er bei seinem "Wiener Spaziergang" 1965, als er von Kopf bis Fuß weiß bemalt, mit einem schwarzen Strich optisch in zwei Körperhälften geteilt, durch die Wiener Innenstadt ging; aber noch mehr mit seiner Aktion "Körperanalyse" im Rahmen der Veranstaltung "Kunst und Revolution" an der Universität Wien 1968, in deren Folge er verhaftet und "wegen des Vergehens der Herabwürdigung österreichischer Symbole" und wegen "Übertretung der gröbliches und öffentliches Ärgernis verursachenden Verletzung der Sittlichkeit und Schamhaftigkeit" verurteilt wurde. Aus diesem Grund verließ Günter Brus mit seiner Familie Österreich und flüchtete nach Berlin, wo er seinen Aktionismus fortsetzt. 1970 jedoch beendete er diese Werkperiode, die ausschließlich den Körper als Medium nutzte, mit der Aktion "Zerreißprobe". Im gleichen Jahr schreibt Brus: "Eine nervliche Zerreißprobe bedeutet eine jähe Änderung der Handlungsrichtung, den abrupten Abbruch einer im Gang befindlichen Handlung".

1971 veröffentlicht er sein erstes literarisch-bildnerisches Buch "Irrwisch".
Seit den frühen 70er Jahren sind die Bild-Dichtungen bevorzugte Ausdrucksform von Günter Brus. Den Begriff, um seine Text - Bild - Kombinationen zu bezeichnen, hat er erst Ende der siebziger Jahre entwickelt. Vorher nannte er sie "illuminierte Manuskripte" in Anlehnung an sein großes Vorbild William Blake und dessen "Illuminated Books". Die Bezeichnung beschreibt bestens die von Brus geschaffene Gattung im Spannungsfeld zwischen Begrifflichkeit und Bildlichkeit, im Aufeinandertreffen zwischen Bild- und Sprachzeichen, in der "Verschwisterung von Sicht- und Denkweisen", wie es der Künstler selber einmal sagte.

Die Texte stammen überwiegend von Brus selbst, der ständig zwischen den literarischen Formen wechselt. Neben Aphorismen finden sich Erzählungen, sogar Märchen, häufig in einer gedanken- und sprachspielerischen Weise formuliert. Außerdem zieht er Texte anderer Autoren zu Bild-Dichtungen heran, so bei "Friedrich Hölderlin: Der tragische Prozeß in Geschichte und Dichtung" oder "William Blake: Poetische Skizzen" oder das Libretto zur Oper Die Gezeichneten von Franz Schreker. Brus überträgt handschriftlich die Texte auf das Papier, die einmal als geschlossener Block scheinbar neben der Zeichnung stehen, manchmal von dieser über- oder unterschnitten werden, immer aber Teil des Ganzen sind.

In einjährigem Arbeitsprozess schrieb Günter Brus das Künstlerbuch "Leuchtstoffpoesie und Zeichenchirurgie", das in einem vielschichtigen Beziehungsgeflecht geschlossene Erzählungen, Textsplitter, Zeichnungen und Bild-Dichtungen zusammenführt. Dazu Brus selbst: "Ich möchte alle Bereiche, die optisch und sprachlich abbildbar sind, einbeziehen. Und das geht vom Märchen bis zu Vorstößen in abstrakte Bereiche und bis zur Selbstbetrachtung als ein Ausgesetzter und um seine Existenz Bangender."

Man hat Günter Brus oft in die österreichische Tradition eines Herzmanovsky-Orlando und Alfred Kubin eingeordnet, aber ebenso auch zu den "Sehtexten" von Dieter Roth oder Jochen Gerz in Beziehung gesetzt. Ihnen ist das Hinterfragen des Buch- und Kunstmarktes gemeinsam: schließlich werden Brus' Werke ebenso an der Wand ausgestellt, wie in Buchform veröffentlicht.

Die Ausstellung in der Neuen Galerie der Stadt Linz umfaßt neben frühen Brus - Zeichnungen aus seiner Aktionismuszeit (Sammlung Neue Galerie Linz), vor allem Bild-Dichtungen, darunter Irrwisch (1971), Weißer Wind (1981) und die 1998 entstandene Leuchtstoffpoesie und Zeichenchirurgie, die als Künstlerbuch-Faksimile die Ausstellung auch in Buchform begleitet (DuMont ATS 300.-).

Literatur:
Johanna Schwanberg, "Dichtbildungen. Günter Brus: Vom Aktionisten zum Bilddichter" in: Parnass, 17.Jhg., Mai - August Heft 2/ 1997, S. 60 - 65
Johanna Schwanberg, "Im Vollbesitz der Schwäche. Zum 60. Geburtstag von Günter Brus" in: Günter Brus. Werke aus der Sammlung Essl 1960 - 1997, Katalog zur Ausstellung im Schömer-Haus, Klosterneuburg 30.9. - 31.12.1998
    NEUE GALERIE DER STADT LINZ
    Blütenstraße 15, A-4040 Linz
    Tel. +43/ 732/ 7070- 3600, Fax +43/ 732/ 736190
    http://neuegalerie.linz.at, e-mail: Neue.Galerie@mag.linz.at
    Anfahrt: Straßenbahn 3 (bis Station Biegung)
    Parkmöglichkeit: wochentags 2 Stunden Gratisparken (8h - 18h)
    in der Garage des Lentia 2000
    Aufzug zum Ausstellungsbereich vorhanden
    Öffnungszeiten: Mo - So 10h - 18h, Do 10h - 22h
    Geschlossen am: 23., 24. April, 1.Mai, 1.Juni 2000
    Eintrittspreise: Erwachsene ÖS 60.-, Schüler, Studenten, Senioren ÖS 30.-
    Schulklassen im Klassenverband pro Schüler ÖS 20.-
    Jahreskarte: ÖS 350.-/ÖS 200,- ermäßigt
    Führungen: 27. 4., 4. 5., 18. 5., 21. 5., 25. 5., 28. 5., 4. 6.
    sowie nach Vereinbarung Tel. +43/ 732/ 7070-3602
    Begleitprogramm
    und Spezialführungen:
    Donnerstag, 27. April, 19 h: Mag. Andrea Bina
    Donnerstag, 4. Mai, 19 Uhr: Mag. Johanna Schwanberg
    Vortrag: Günter Brus. "Vom meistgehaßten Österreicher zum Staatspreisträger - Vom Aktionisten zum Bilddichter"
    Donnerstag, 18. Mai, 19 Uhr: Mag. Johanna Schwanberg
    Sonntag, 21. Mai, 15 h: Mag. Ingrid Pohl
    Donnerstag, 25. Mai, 19 h: Mag. Ingrid Pohl
    Sonntag, 28. Mai, 15 h: Dr. Elisabeth Nowak-Thaller
    Sonntag, 4. Juni, 15 h: Mag. Ingrid Pohl
    Museumsshop: Zur Ausstellung erscheint ein von Günter Brus herausgegebenes Künstlerbuch im Verlag Du-Mont (S 300,-).
    Plakat nach einem Entwurf des Künstlers S 60,-.
    Poster-, Bookshop und diverse von KünstlerInnen entworfene Geschenkartikel

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