Kutlug Ataman
Mesopotamische Erzählungen
Mesopotamische Erzählungen versammelt eine neue Werkserie von Kutlug Ataman, dem international erfolgreichsten türkischen Künstler, der sich in seinen Film‑, Video- und Fotoarbeiten mit den Brüchen zwischen dem „Eigenen” und dem „Fremden” auseinandersetzt – mit Traditionen und Konventionen, Glauben und Überzeugungen, die innerhalb einer Gesellschaft oder im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen Konflikte auslösen können.
Die Ausstellung fokussiert die Umbrüche in der Türkei der vergangenen Jahrzehnte, politische, kulturelle und ökonomische Veränderungen, Kämpfe zwischen religiöser und säkularer Weltanschauung und darüber hinaus die Spannung zwischen Osten und Westen, die von Ataman als akute Krise definiert wird. Dabei geht es auch um die Geschichte der westlichen Moderne und die Frage nach der Berechtigung ihres universellen Anspruchs, verbunden mit einer Untersuchung der viel zitierten europäischen „Werte”.
Ganz konkret kreist das Thema der Mesopotamische Erzählungen um Europa, um die Frage nach den geografischen, kulturellen, institutionalisierten, ideellen und ideologischen Grenzen des Raumes mit dem Namen “Europa”.
Am Beginn der fünf Räume der Ausstellung steht Dome, eine Videoinstallation mit Porträts türkischer männlicher Jugendlicher in westlicher Alltagskleidung. Die schwebenden Flatscreens bilden ein Dach über den Köpfen der Betrachter*innen und erwecken den Eindruck, als ob die Jugendlichen am Himmel schweben würden – doch dies nur mit Hilfe technischer Konstruktion.
Die Zwei-Kanal-Projektion Journey to the Moon erzählt als Doku-Fiction die Geschichte eines Dorfes im Osten der Türkei, dessen Bewohner*innen zum Mond reisen wollen. Kommentiert wird diese Narration von bekannten türkischen Intellektuellen, Wissenschaftler*innen und Journalist*innen.
In einer weiteren Arbeit, The Complete Works of William Shakespeare, sind sämtliche Dramen der Ikone der abendländischen Literatur handschriftlich auf 35mm-Film übertragen. Die Bedeutung des Schreibens als Kunstform unabhängig von Inhalten – Kalligrafie – in der orientalischen Kultur wird für die Darstellung des kulturellen Erbes der europäischen Literatur adaptiert.
Insgesamt acht neue Arbeiten – Videoinstallationen, ‑projektionen und ein fotografisches Objekt – bringt Kutlug Ataman in dieser Ausstellung zusammen. „Unbedingt müssen alle diese Werke gemeinsam gezeigt werden, denn das Zusammenspiel der einzelnen Arbeiten ergibt das Rückgrat und die Seele dieser Ausstellung.” (Kutlug Ataman)