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Karl Schmidt-Rottluff, Rumbke am Lebasee , 1932

Far­bi­ge Krei­den und Gra­fit auf Papier, 39 x 52 cm, Stif­tung Prof. Dr. Paul und Gre­te Neurath, Wien

Hier ist es fabel­haft ein­sam zwi­schen Leba­see und Ost­see gele­gen – eine außer­or­dent­li­che Dünen­land­schaft, ich möch­te sagen – groß­ar­ti­ger als auf der Kuri­schen Neh­rung … In Leba kann man alles bekom­men, was man zum Leben braucht und bil­li­ger als in Jers­höft […]“1


Som­mer an der Ost­see: Strand­gras, Sand und etwas wei­ter weg, zen­tral im Bild und auf­ra­gend wie ein klei­nes Gebir­ge, eine Wan­der­dü­ne. Der Sand­hü­gel bil­det einen Quer­rie­gel, der uns den Blick auf den Leba­see etwas ver­stellt. Der See reicht bis an den Hori­zont. Ein paar lang gezo­ge­ne Wol­ken strei­fen über den Himmel.

Wenn wir die Krei­de­zeich­nung Rumbke am Leba­see betrach­ten, so sticht ein drei­zo­ni­ger Auf­bau sofort ins Auge. Der Bild­vor­der­grund ist rela­tiv leer. Ledig­lich im lin­ken unte­ren Bil­deck ragen Sand­hü­gel mit Gras­bü­scheln empor. Dahin­ter setzt die Dünen­zo­ne mit dem Leba­see an. Der Strand­see wird von der Ost­see durch eine 2,5 km brei­te und 17 km lan­ge Neh­rung getrennt. Die drit­te, obers­te oder – raum­pro­jek­tiv gese­hen – hin­ters­te Zone wird vom Him­mel ein­ge­nom­men, auf dem durch schwung­vol­le Lini­en ein paar Wol­ken ange­deu­tet sind. Die Land­schaft ist men­schen­leer. Ledig­lich ein paar Baum­kro­nen schie­ben sich vor die mäch­ti­ge Sanddüne.


Karl Schmidt-Rottluff war seit 1905 Mit­glied der Künst­ler­grup­pe Brü­cke. Sei­nem Künst­ler­kol­le­gen Fritz Bleyl blieb er als statt­li­cher, kraft­vol­ler, bebrill­ter jun­ger Mann, ernst, zurück­hal­tend, aber schon mit Blick und Wesen und der Pran­ke des Löwen Gro­ßes ankün­di­gend und ahnen las­send“2 in Erin­ne­rung. Unter den Künst­lern die­ser Ver­ei­ni­gung war Schmidt-Rottluff der­je­ni­ge, der am wenigs­ten am Grup­pen­le­ben teil­nahm.3 Er betei­lig­te sich auch nicht an den gemein­sa­men Auf­ent­hal­ten an den Moritz­bur­ger Tei­chen. Schmidt-Rottluff bevor­zug­te es viel­mehr, die wär­me­re Jah­res­hälf­te zunächst im olden­bur­gi­schen Dan­gast am Süd­rand des Jade­bu­sens zu verbringen.


Im Juni 1908 besuch­te Rosa Scha­pi­re (1874 – 1954) Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel erst­mals in Dan­gast. Die Kunst­his­to­ri­ke­rin galt als gro­ße Men­to­rin der Brü­cke-Künst­ler. Sie erhielt von Heckel, Kirch­ner, Mül­ler, Pech­stein und Schmidt-Rottluff vie­le Post­kar­ten, allein von Letz­te­rem 73 Stück. Auf einer Post­kar­te vom 27. März 1911 por­trä­tier­te Schmidt-Rottluff die Adres­sa­tin mit Wachs­krei­de­stif­ten.4 Im glei­chen Jahr eröff­ne­te Scha­pi­re eine Ein­zel­aus­stel­lung Schmidt-Rottluffs in der Ham­bur­ger Gale­rie Commeter.


Ab 1920 ver­brach­te Schmidt-Rottluff die wär­me­re Jah­res­zeit in dem hin­ter­pom­mer­schen Fischer- und Bau­ern­dorf Jers­höft (heu­te Jaros­ła­wi­ec). Auch Rosa Scha­pi­re zog es dort­hin. Im Jahr dar­auf rich­te­te Schmidt-Rottluff die Woh­nung Scha­pi­res ein, ent­warf das Mobi­li­ar mit Bil­dern, Skulp­tu­ren und kunst­hand­werk­li­chen Gegen­stän­den, die fast alle von sei­ner Hand stamm­ten. Ihre klei­ne, fast ärm­li­che Woh­nung im drit­ten Stock der Oster­beck­stra­ße 43, Ham­burg, erstrahl­te in sei­nen Far­ben – von den bemal­ten Möbeln (stark gelb, braun und ultra­ma­rin-blau) über die Wän­de mit grü­ner Leim­far­be, dem Schwarz der Tür- und Fens­ter­rah­men bis hin zu den Gemäl­den.“5


Rosa Scha­pi­re ver­fass­te bereits 1924 einen Œuvre-Kata­log der Druck­gra­fik Schmidt-Rottluffs. Im Jahr 1929 schrieb die Kunst­his­to­ri­ke­rin über den von ihr sehr geschätz­ten Künst­ler: Er hat natur­ge­mäß Wand­lun­gen erfah­ren, aber nicht Sprün­ge, denn wenn auch ein unbe­irr­ter und unbe­irr­ba­rer Wil­lens­mensch hin­ter dem Werk steht, so offen­bart sich ein Gewach­se­nes, Gesetz­mä­ßi­ges, nicht ein Gewoll­tes dar­in. […] In den Bil­dern der letz­ten Jah­re offen­bart sich […] eine gro­ße Natur­nä­he […]. Ein­dring­lich und hin­rei­ßend offen­bart sich der Sinn der Erde […] in Schmidt-Rottluffs Werk“.6


Zwi­schen 1932 bis 1945 ver­brach­te Schmidt-Rottluff sei­ne Som­mer in Rumbke (heu­te: Jezio­ro Lebsko). Der Bade­ort war bis 1945 Teil Pom­merns, das im Zuge der Neu­ord­nung nach dem Krieg zu Polen kam. Eine beson­de­re Sehens­wür­dig­keit sind auch heu­te noch die Wan­der­dü­nen von Rumbke.


Die Krei­de­zei­chung Rumbke am Leba­see ent­stand gleich im ers­ten Jahr im neu­en Som­mer­do­mi­zil. Eine Wid­mung am lin­ken unte­ren Bild­rand lau­tet: Am Rumbke-Geburts­tag 1932“. Sie weist dar­auf hin, dass Rosa Scha­pi­re die Zeich­nung an ihrem Geburts­tag am 9. Sep­tem­ber von Schmidt-Rottluff erhielt. Es war auch Scha­pi­res ers­ter Som­mer in die­sem Bade­ort. Sie besaß neben die­sem Geburts­tags­ge­schenk noch einen eben­falls 1932 in Rumbke ent­stan­de­nen Stein­schnitt Schmidt-Rottluffs. Es han­delt sich dabei um einen dun­kel­grau­en Stein­kopf in koni­schem Holz­block.7


Beein­flusst durch sei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit Vin­cent van Gogh ent­wi­ckel­te Karl Schmidt-Rottluff in den Drei­ßi­ger­jah­ren eine beson­de­re Nei­gung zu ost­asia­ti­scher Gra­fik. Fern­öst­li­che Holz­schnit­te ken­nen kei­ne zen­tral­per­spek­ti­vi­sche Aus­rich­tung der Kom­po­si­ti­on hin zu einem gemein­sa­men Flucht­punkt im Bild. Auch in der Krei­de­zeich­nung Rumbke am Leba­see gibt es kei­ner­lei per­spek­ti­vi­sche Ver­kür­zun­gen und nur weni­ge Über­schnei­dun­gen. Die ein­zel­nen Bild­zo­nen wer­den nach oben geschich­tet, wenn eigent­lich ein Hin­ter­ein­an­der im Sin­ne einer räum­li­chen Tie­fe gemeint ist.


Im Bild lässt sich ein beson­de­rer Umgang mit der Anord­nung der Bild­su­jets erken­nen: Fül­le und Lee­re sind kon­trast­voll gegen­über­ge­stellt. Fül­le: In der lin­ken unte­ren Bil­de­cke begin­nend zieht ein orna­men­tier­ter Strei­fen schol­len­ar­tig durch das quer­for­ma­ti­ge Bild. Die Sand­dü­nen im Vor­der­grund sowie der Him­mel im Hin­ter­grund sind ledig­lich ange­deu­tet. Die inner­bild­li­che Ereig­nis­lo­sig­keit wirft damit einen Fokus auf die Dar­stel­lung selbst.


Stil­le fin­de ich immer ein wun­der­ba­res Erleb­nis. Wann hat man es noch? […] Ich glau­be, die meis­ten Bil­der han­deln von Vor­gän­gen, ich woll­te immer das Sein‘ auf­wei­sen und das stil­le Leben der Din­ge […].“8


Bereits 1911 hielt Rosa Scha­pi­re eine flam­men­de Lau­da­tio für Karl Schmidt-Rottluff anläss­lich der ers­ten Ein­zel­aus­stel­lung des Künst­lers in der Ham­bur­ger Gale­rie Com­me­ter. Der Ham­bur­ger Kunst­kri­ti­ker Denis Hoff­mann stand so viel Lob sehr skep­tisch gegen­über. In der Ham­bur­ger Zei­tung vom 9. Jän­ner 1911 rezen­sier­te er: Fräu­lein Dr. Rosa Scha­pi­re ist eine alte Freun­din der Brü­cke, und ihr gest­ri­ger Mit­tags­vor­trag war gewis­ser­ma­ßen ein Ver­tei­di­gungs­vor­trag als Eröff­nungs­re­de für sei­ne [Schmidt-Rottluffs] gro­ße Kol­lek­tiv­aus­stel­lung, die die Ober­licht­sä­le der Com­me­ter-Gale­rie füllt […]. Was Fräu­lein Scha­pi­re […] von ihrem Günst­ling sag­te, war sehr unver­bind­lich und konn­te für jeden Maler gel­ten. Ihre Pro­phe­zei­ung, dass Schmitt-Rut­t­loff [sic] sich einen Platz in der Kunst­ge­schich­te errang oder errin­gen wird, bil­de­te einen hüb­schen aber küh­nen Schluß […].“9


Auch nach der Über­sied­lung nach Lon­don im Jahr 1939 blie­ben Schmidt-Rottluff und Rosa Scha­pi­re in Ver­bin­dung. Die Jüdin Rosa Scha­pi­re blieb nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs in ihrem eng­li­schen Exil. Im Sep­tem­ber 1953 fand sogar auf bri­ti­schem Boden, in Lei­ces­ter, eine Schmidt-Rottluff-Aus­stel­lung statt. Sie war der Initia­ti­ve von Rosa Scha­pi­re zu ver­dan­ken, die sich damit ein letz­tes Mal für die ihr zur Lebens­auf­ga­be gewor­de­ne Kunst Schmidt-Rottluffs ein­set­zen konn­te“10.


Den beson­de­ren Stel­len­wert Schmidt-Rottluffs in der moder­nen Kunst kann Mag­da­le­na Moel­ler, Lei­te­rin des Brü­cke-Muse­ums in Ber­lin, mehr als acht­zig Jah­re spä­ter veri­fi­zie­ren, wenn sie fest­stellt, dass Schmidt-Rottluff den Expres­sio­nis­mus auf sei­ne Wei­se zur Voll­endung“11 führte.

Brü­cke

Künst­ler­ge­mein­schaft, am 7. Juni 1905 von den Archi­tek­tur­stu­den­ten Ernst Lud­wig Kirch­ner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl (bis 1907) in Dres­den gegrün­det. 1906 kamen Emil Nol­de (bis 1907) und Max Pech­stein hin­zu, 1910 Otto Muel­ler. Inter­na­tio­na­le Ver­bin­dun­gen, unter ande­rem zu Cuno Amiet (Schweiz), L. Zyl und Kees van Don­gen (Nie­der­lan­de). 1909 ver­geb­li­che Bemü­hun­gen, Hen­ri Matis­se und Edvard Munch zu gewin­nen. Kirch­ner ver­fass­te 1906 das Pro­gramm. Es wand­te sich an die Schaf­fen­den“ und die Genie­ßen­den“ (gemeint sind die Samm­ler), for­der­te die Jugend auf, sich Arm- und Lebens­frei­heit zu ver­schaf­fen gegen die wohl­an­ge­ses­se­nen älte­ren Kräf­te“. Es gip­fel­te in dem Auf­ruf: Jeder gehört zu uns, der unmit­tel­bar und unver­fälscht das wie­der­gibt, was ihn zum Schaf­fen drängt.“

Die Maler der Brü­cke wand­ten sich ent­schie­den vom Kunst­ide­al des 19. Jahr­hun­derts ab und such­ten neue Aus­drucks­mög­lich­kei­ten, unter ande­rem auch in der afri­ka­ni­schen und poly­ne­si­schen Kunst. Wich­ti­ge Anre­gun­gen erhiel­ten die auto­di­dak­ti­schen Maler auch aus dem fran­zö­si­schen Impres­sio­nis­mus, den Künst­ler­ko­lo­nien in Dach­au und Worps­we­de sowie durch die Male­rei van Goghs, Munchs und Gau­gu­ins, die als Weg­be­rei­ter gese­hen wer­den können.


Durch die neu­en expres­si­ven Aus­drucks­mit­tel, Form­re­du­zie­rung, Far­be als Stim­mungs- und Aus­drucks­trä­ger, kräf­ti­ge Kon­tu­ren und scharf­kan­ti­ge Form­ge­bung woll­te man zu einer neu­en visio­nä­ren Bild­spra­che gelan­gen, die die über­hol­ten tra­dier­ten Kunst­for­men durch eine neue, per­sön­li­che Seh­wei­se erset­zen. Wich­ti­ger als das Motiv waren die per­sön­li­che Emp­fin­dung und die Aus­drucks­wei­se, die auch Ver­zer­run­gen und kari­kie­ren­de Ele­men­te ein­be­zog, wenn dies der Stei­ge­rung des Aus­drucks dien­te. Die ers­te Aus­stel­lung 1905 blieb noch unbe­ach­tet, die zwei­te im Jah­re 1906 lös­te einen Skan­dal aus. Beson­ders Kirch­ners Bil­der mit einer aggres­siv-ner­vö­sen Hand­schrift und stark ero­tisch gefärb­ten Moti­ven wur­de Ziel­schei­ben der Kri­tik. Der inne­re Kreis der Grup­pe wur­de 1906 durch pas­si­ve Mit­glie­der ver­stärkt, 1910 gehör­ten ihr bereits 68 Mit­glie­der an, dar­un­ter auch Samm­ler und Kunst­his­to­ri­ker wie Rosa Schapire.


In den ers­ten Jah­ren ent­stan­den Gra­fik­map­pen, die die wich­tigs­ten Neue­run­gen und Stil­mit­tel kon­zen­triert zeig­ten (Holz­schnit­te, Radie­run­gen, Litho­gra­fien). Um bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen zu erhal­ten, zogen die Brü­cke-Maler von Dres­den nach Ber­lin. Die Ber­li­ner Kunst­ver­hält­nis­se zwan­gen die Maler zu eigen­stän­di­gen, unver­wech­sel­ba­ren Per­sön­lich­keits­sti­len; der Grup­pen­ge­dan­ke geriet immer mehr in den Hin­ter­grund. Zum end­gül­ti­gen Bruch kam es durch Kirch­ners Chro­nik der Brü­cke (1913), die von den ande­ren Mit­glie­dern als zu sub­jek­tiv ver­wor­fen wur­de. Mit dem Ende der Künst­ler­ge­mein­schaft war der Höhe­punkt des deut­schen Expres­sio­nis­mus über­schrit­ten, auch wenn sei­ne Nach­wir­kun­gen bis in die jüngs­te Zeit spür­bar geblie­ben sind.12

Bio­gra­fie

1884:

gebo­ren am 1. Dezem­ber in Rottluff bei Chem­nitz, als Sohn des Mül­lers Fried­rich August Schmidt

bis 1905:

Besuch von Volks­schu­le und huma­nis­ti­schem Gym­na­si­um in Chem­nitz. Ers­te lite­ra­ri­sche und künst­le­ri­sche Inter­es­sen. Pri­va­ter Zeichenunterricht

1902:

Freund­schaft mit Erich Heckel, den er in dem lite­ra­ri­schen Club Vul­kan kennenlernt

1905:

Abitur. Im Som­mer­se­mes­ter Beginn des Archi­tek­tur­stu­di­ums an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Dresden

1905:

7. Juni: Grün­dung der Künst­ler­grup­pe Brü­cke mit den etwas älte­ren Kom­mi­li­to­nen Ernst Lud­wig Kirch­ner, Fritz Bleyl und Erich Heckel. Nennt sich seit­dem Schmidt-Rottluff. Ers­te Holz­schnit­te und ers­te Aquarelle

1906:

Beur­lau­bung vom Archi­tek­tur­stu­di­um. Ers­te Lithografien

1907:

in Ham­burg Bekannt­schaft mit der Kunst­his­to­ri­ke­rin Rosa Schapire

1907 – 1912:

in den Som­mer­mo­na­ten in Dan­gast am Jade­bu­sen, zeit­wei­lig zusam­men mit Erich Heckel, der Olden­bur­ger Male­rin Emma Rit­ter und mit Max Pechstein

1909:

im Febru­ar Besuch bei Ada und Emil Nol­de in Ber­lin gemein­sam mit Rosa Schapire

1910:

im Früh­jahr ers­te Ein­zel­aus­stel­lung in der Gale­rie Com­me­ter in Hamburg

1911:

Ende Okto­ber Über­sied­lung von Dres­den nach Berlin-Friedenau

1912:

Anfang Jän­ner Tref­fen mit Franz Marc in Ber­lin; Betei­li­gung an der Son­der­bund-Aus­stel­lung in Köln. Freund­schaft mit Lyo­nel Feininger

1913:

23. Mai: Auf­lö­sung der Brücke

1914:

ers­te Aus­stel­lung in Ber­lin in der Gale­rie Gurlitt

1915:

seit Mai Kriegs­dienst im Osten

1918:

Hei­rat mit Emy Frisch

1919:

Bekannt­schaft mit Wal­ter Gro­pi­us, der Schmidt-Rottluff für die Mit­ar­beit im Arbeits­rat für Kunst und als Leh­rer für das Bau­haus in Wei­mar zu gewin­nen versucht

1921:

stat­tet die Woh­nung Rosa Scha­pi­res mit Möbeln aus

1924:

im Früh­jahr mit Georg Kol­be in Paris

1925:

Rei­se nach Dalmatien

1926:

im Früh­jahr zwei­te Rei­se nach Paris

1930:

Stu­di­en­gast in der Vil­la Mas­si­mo in Rom

1932 – 1943:

im Früh­jahr meist im Tau­nus. Im Som­mer und Herbst in Rumbke am Leba­see in Ost-Pommern

1933:

Aus­tritt aus der Preu­ßi­schen Aka­de­mie der Künste

1935:

im Herbst Rei­se nach Holland

1936:

ers­te Aus­stel­lung in New York in der Gale­rie Westermann

1938:

Beschlag­nah­me sei­ner Wer­ke (608 Arbei­ten) in deut­schen Museen

1939:

inten­si­ves Aquarellschaffen

1941:

Berufs­ver­bot und Aus­schluss aus der Reichs­kam­mer der bil­den­den Künstler

1942:

im Früh­som­mer auf Ein­la­dung des Gra­fen von Molt­ke mehr­wö­chi­ger Auf­ent­halt auf dem Gut Kreis­au, Schlesien

1943:

im Herbst wird das Ber­li­ner Ate­lier aus­ge­bombt. Über­sied­lung nach Rottluff

1946:

Prä­si­dent des Kul­tur­bun­des zur demo­kra­ti­schen Erneue­rung Deutschlands

1947:

Beru­fung als Pro­fes­sor an die Hoch­schu­le für Bil­den­de Küns­te in Berlin-Charlottenburg

seit 1948:

regel­mä­ßi­ge Aus­stel­lun­gen bei Han­na Bek­ker vom Rath im Frank­fur­ter Kunstkabinett

1951 – 1973:

im Som­mer in Sierks­dorf an der Lübe­cker Bucht

1952:

Kunst­preis der Stadt Berlin

1954:

zum 70. Geburts­tag gro­ße Aus­stel­lun­gen in Ber­lin, Ham­burg, Kiel, Nürnberg

1956:

Ver­lei­hung der Frie­dens­klas­se des Ordens Pour le mérite

1961:

Kunst­preis der Stadt München

1967:

Eröff­nung des Brü­cke-Muse­ums in Ber­lin. Schmidt-Rottluff zählt zu den Hauptstiftern

1969:

zum 85. Geburts­tag Aus­stel­lung von 72 Aqua­rel­len, Pas­tel­len und Tuschpinselzeichnungen

1970:

Ehren­bür­ger von Ber­lin. Die letz­ten Aqua­rel­le entstehen

1971 – 1972:

Die letz­ten Arbei­ten Schmidt-Rottluffs ent­ste­hen: Farb­stift- und Tuschpinselzeichnungen

1974:

zum 90. Geburts­tag Aus­stel­lun­gen in Ham­burg-Alto­na, Ber­lin, Frank­furt und Stuttgart

1976:

gestor­ben am 10. August in Ber­lin. Der künst­le­ri­sche Nach­lass geht ein in die Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stif­tung im Brücke-Museum

Pro­ve­ni­enz

Die Zeich­nung befand sich ursprüng­lich im Besitz von Rosa Scha­pi­re. Sie war ein Geburts­tags­ge­schenk Karl Schmidt-Rottluffs an die befreun­de­te Kunst­his­to­ri­ke­rin. Rosa Scha­pi­res Schwes­ter, die Schrift­stel­le­rin Anna Scha­pi­re, war mit dem öster­rei­chi­schen Natio­nal­öko­nom, Wis­sen­schafts­theo­re­ti­ker und Arbei­ter- und Volks­bild­ner Otto Neurath ver­hei­ra­tet. Anna Scha­pi­re ver­starb an den Fol­gen der Geburt ihres Soh­nes Paul im Jahr 1911. Da alle wei­te­ren Mit­glie­der der Fami­lie Scha­pi­re im Holo­caust ums Leben kamen, erging eine groß­zü­gi­ge Schen­kung Rosa Scha­pi­res an ihren Nef­fen Paul Neurath (1911 – 2001). Die Krei­de­zeich­nung kam 2004 als Schen­kung von Paul und Gre­te Neurath in den Besitz des Lentos Kunst­mu­se­um Linz.

Ver­wen­de­te Literatur

Diet­mar Elger, Expres­sio­nis­mus. Eine deut­sche Kunst­re­vo­lu­ti­on, Köln 2002.

Ger­hard Wie­tek, Schmidt-Rottluff. Plas­tik und Kunst­hand­werk. Werk­ver­zeich­nis, hg. v. der Karl und Emy Schmidt-Rottluff-Stif­tung, Mün­chen 2001.

Mag­da­le­na M. Moel­ler, Hans-Wer­ner Schmidt (Hg.), Karl Schmidt-Rottluff. Der Maler, Aus­stel­lungs­ka­ta­log, Städ­ti­sche Kunst­hal­le Düs­sel­dorf, Städ­ti­sche Kunst­samm­lun­gen Chem­nitz, Brü­cke-Muse­um Ber­lin, Stutt­gart 1992.

Karl Schmidt-Rottluff. Stif­tung Prof. Dr. Paul und Gre­te Neurath, hg. v. Lentos Kunst­mu­se­um Linz, Linz 2004.

Mag­da­le­na M. Moel­ler, Karl Schmidt-Rottluff. Tusch­pin­sel­zeich­nun­gen, Aus­stel­lungs­ka­ta­log, Gale­rie Jahr­hun­dert­hal­le Hoechst, Brü­cke-Muse­um Ber­lin u. a., Mün­chen 1996.

Sabi­ne Schul­ze (Hg.), Rosa. Eigen­ar­tig Grün. Rosa Scha­pi­re und die Expres­sio­nis­ten, Aus­stel­lungs­ka­ta­log, Muse­um für Kunst und Gewer­be Ham­burg, Kunst­samm­lun­gen Chem­nitz, Ost­fil­dern 2009. 

  1. Karl Schmidt-Rottluff in einem Brief vom 28.6.1932 an Friedrich Schreiber-Weigand, zitiert nach: Magdalena M. Moeller, Hans-Werner Schmidt (Hg.), Karl Schmidt-Rottluff. Der Maler, Ausstellungskatalog, Städtische Kunsthalle Düsseldorf, Stuttgart 1992, S. 264.
  2. Fritz Bleyl, zitiert nach: Hans Wentzel: „Fritz Bleyl, Gründungsmitglied der ‚Brücke’“, in: Kunst in Hessen und am Mittelrhein, 1968 (8), S. 89–105, hier S. 96.
  3. Dietmar Elger, Expressionismus. Eine deutsche Kunstrevolution, Köln 2002, S. 63.
  4. Sabine Schulze (Hg.), Rosa. Eigenartig Grün. Rosa Schapire und die Expressionisten, Ausstellungskatalog, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Kunstsammlungen Chemnitz, Ostfildern 2009, S. 108.
  5. ebd., S. 124.
  6. Rosa Schapire, „Karl Schmidt-Rottluff“, in: Schmidt-Rottluff, Ausstellungskatalog, Kunsthütte Chemnitz 1929, zitiert nach: Schulze 2009, S. 121f.
  7. Vgl. Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Plastik und Kunsthandwerk. Werkverzeichnis, hg. v. der Karl und Emy Schmidt-Rottluff-Stiftung, München 2001, S. 244, Nr. 79.
  8. Aus einem Brief Schmidt-Rottluffs an Gerhard Wietek, Berlin, 22. Dezember 1960, in: Wietek 2001, S. 9.
  9. Denis Hoffmann, „Die Sonntags-Matinee bei Commeter“, in: Hamburger Zeitung, 9.1.1911, zitiert nach: Schulze 2009, S. 113f.
  10. Ebd., S. 88.
  11. Magdalena M. Moeller, Karl Schmidt-Rottluff. Tuschpinselzeichnungen, Ausstellungskatalog, Galerie Jahrhunderthalle Hoechst, Brücke-Museum Berlin u. a., München 1996, S. 16.
  12. Prestel Lexikon. Kunst und Künstler im 20. Jahrhundert, München, London, New York 1999, S. 60f.

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